Samstag, 28. September 2013

Sie bezeichnet sich als Ruine. Nur die Geister der Erinnerung wohnen noch in ihr, behauptet sie. Doch das ist gelogen, wie so vieles von ihr.
Was ist eine Ruine? Ein zerstörtes Haus. Was ist ein Haus? Ein Gebäude, in dem man leben kann; etwas, das Wärme und Geborgenheit bietet. Aber es ist nicht jedem zugänglich, denn es hat Türen, für die nicht jeder die passenden Schlüssel besitzt.
Eine Ruine ist kalt und schutzlos. Der Wind peitscht über ihre verfallenen Mauern, die jeder besichtigen kann, ob es ihr gefällt oder nicht.
Sie kann keine Ruine sein. In ihr brennt noch ein Feuer und es gibt Menschen, die sie einlässt, damit sie sich daran wärmen können. Sie hat noch intakte Türen; nur tauschte sie die Schlösser aus. Mich lässt sie draußen stehen und wünscht mir still, dass ich qualvoll erfriere.
Warum? Was tat ich ihr? Flüstern die Geister ihr zu, dass ich Unheil bringe? Dann können es nicht bloß Geister der Erinnerung sein. Erinnerungen sind friedlich. Erst die Geister des Hasses, der Bitterkeit und der Rachsucht verdüstern sie. Meine Erinnerungen sind von anderen Geistern beseelt. Für mich sind sie hell und schön. Dennoch sind sie nichts mehr wert.
Sie fühlen sich ausgelacht, vergiftet, zerfetzt, bespuckt. Mir wurde etwas vorgemacht. Und nun macht sie sich selbst etwas vor. Sie ist keine Ruine.