Dienstag, 5. November 2013

Wie unfassbar nutzlos Worte sein können ... Eines leerer als das andere bieten sie sich mir dar, liegen als nichtssagende Hülsen vor meinen Füßen und scheinen selbst nicht recht daran zu glauben, dass ich mir die Mühe machen werde, mich zu bücken und sie aufzuheben. Sie wissen, dass sie es nicht mehr wert sind; dass sie bedeutungslos für mich wurden und dass es keinen Unterschied machen würde, wenn ich sie einfach zerträte.
Doch nein, ich zertrete sie nicht. Ich lese sie tatsächlich vom Boden auf und benutze sie, denn zerstört wurde in letzter Zeit bereits zu viel ...
O holder Name, den ich nicht mehr zu nennen vermag! Auch du bist nur noch ein Wort. Was du einst ausdrücktest, ist tot. Tot, tot, tot. Alles ist tot. Bin ich am Leben? Ja, ein wenig. Ich bleibe zurück und darf euch nicht nachfolgen; muss still den unendlichen Schmerz ertragen, dass ihr mich verließet.
Es ist schrecklich, wie gut ich dich verstehe ... Wir wollten zusammen stark sein, aber die Liebe zu ihm pulsierte wie Gift durch unsere Adern und wir konnten es nicht ewig hinauszögern, dass es unsere Herzen erreichte.
Ich hatte stets Angst davor, weil ich schon ahnte, dass meines dennoch weiterschlagen könnte und deines nicht. Auch das meine hat längst keine Lust mehr, doch es muss ... Du weißt für wen. Ohne dich wird es noch schwerer. Ohne dich will es noch weniger. Doch es muss, es muss, es muss ...
Ruhe in Frieden.

Samstag, 5. Oktober 2013

Ich weiß schon lange, wo ich hingehöre. Es gibt nicht für jeden einen Platz an der Sonne. Nicht jeder verdient einen. Daher müssten die vorhandenen Plätze eigentlich ausreichen. Und doch wird ständig um sie gekämpft und gerangelt. Denn es liegt in der Natur des Menschen, hin und wieder einen Lichtstrahl erhaschen zu wollen.
Ich wusste, dass ich mich nur an ihm verbrennen und den schönen Lichtstrahl trüben würde, wenn ich mit meinen schmutzigen Händen nach ihm griffe ... Trotzdem konnte ich nicht widerstehen. Die Normen unserer Gesellschaft sind trügerisch. Man lässt sich einreden, dass man einen Anspruch auf Licht hätte. Doch man macht sich schuldig, wenn man sich deswegen an jenen vorbeidrängelt, denen es tatsächlich gebühren würde. Darin liegt das Leid dieser Welt begründet. Zu viele Menschen nehmen sich einfach, was für andere bestimmt ist. Und letztere lassen es sich gefallen, weil sie zu gut sind, um Unrecht zu verurteilen. Ich wollte nie zu der ersten Gruppe gehören. Dennoch schloss ich mich ihr an. 
Endlich löste ich mich wieder von ihr. Allerdings blieb mein Fehler nicht ohne Konsequenzen. Ich hinterließ ein Chaos, das nun Andere beseitigen müssen. Das ist ungerecht, aber es geht nicht anders.
Es fühlt sich an, wie aus einem wunderschönen Traum zu erwachen und ernüchtert in einem alten, knarzenden Bett aufzuwachen, auf einem steinharten Kopfkissen, mit einem dürftig geflickten, dünnen Tuch als Decke, in einer engen, düsteren Kammer.
Vom Licht geblendet erwartet man plötzlich so viel von seinem Leben. Man versteigt sich in immer kühneres Hoffen und glaubt schließlich an das Unwahrscheinlichste. Man kommt gar nicht auf den Gedanken, sich einmal umzudrehen und sieht so niemals den Schatten seines Glücks, geschweige denn jene, die in ihm stehen müssen.
Es tut mir so leid.

Samstag, 28. September 2013

Sie bezeichnet sich als Ruine. Nur die Geister der Erinnerung wohnen noch in ihr, behauptet sie. Doch das ist gelogen, wie so vieles von ihr.
Was ist eine Ruine? Ein zerstörtes Haus. Was ist ein Haus? Ein Gebäude, in dem man leben kann; etwas, das Wärme und Geborgenheit bietet. Aber es ist nicht jedem zugänglich, denn es hat Türen, für die nicht jeder die passenden Schlüssel besitzt.
Eine Ruine ist kalt und schutzlos. Der Wind peitscht über ihre verfallenen Mauern, die jeder besichtigen kann, ob es ihr gefällt oder nicht.
Sie kann keine Ruine sein. In ihr brennt noch ein Feuer und es gibt Menschen, die sie einlässt, damit sie sich daran wärmen können. Sie hat noch intakte Türen; nur tauschte sie die Schlösser aus. Mich lässt sie draußen stehen und wünscht mir still, dass ich qualvoll erfriere.
Warum? Was tat ich ihr? Flüstern die Geister ihr zu, dass ich Unheil bringe? Dann können es nicht bloß Geister der Erinnerung sein. Erinnerungen sind friedlich. Erst die Geister des Hasses, der Bitterkeit und der Rachsucht verdüstern sie. Meine Erinnerungen sind von anderen Geistern beseelt. Für mich sind sie hell und schön. Dennoch sind sie nichts mehr wert.
Sie fühlen sich ausgelacht, vergiftet, zerfetzt, bespuckt. Mir wurde etwas vorgemacht. Und nun macht sie sich selbst etwas vor. Sie ist keine Ruine.

Sonntag, 5. Mai 2013

Ich bin für nichts mehr empfänglich. Meine Gefühle liegen als malträtierte, blutige Gewinde im Niemandsland meiner Seele herum, mein Verstand ist abgestumpft und müde.

Mein Leid übersteigt längst das aushaltbare Maß an Extremität. Es ist gar kein Leid mehr und schert sich nicht darum, was es sonst ist. Selbstmitleid, Depression ... Jeder Versuch von Ahnungslosen, ihm einen Namen zu geben, stößt weder auf Zustimmung noch auf Ableugnung in mir. Solche Kategorisierungen sind zu unbedeutend, zu leer und zu weit entfernt von meinen tatsächlichen Empfindungen.

Ich brauche stärkere Reize, als ich sie mir verschaffen darf. Gedanklich reiße ich mir die Haare aus, bohre mir die Fingernägel in die Augäpfel, kratze und beiße mir jede Stelle meines Körpers blutig, die ich erreichen kann und brülle so laut, dass mein Hals brennt.

Doch ich weiß, dass ich niemals im wirklichen Leben meine zornige Stimme erheben darf. Du wusstest das nicht. Deshalb musstest du sterben. Du zerstörtest mit deinen Ausbrüchen alles, was dir wichtig war, bis dir als letzte Steigerung zum Ausdruck deiner unermesslichen Pein nur noch der Tod blieb.

Samstag, 20. April 2013

Wie ferngesteuert eile ich zum Klavier. Die wenigen Sekunden, die ich brauche, um es zu erreichen, dauern eine Ewigkeit. Meine Finger streben zitternd den Tasten zu, mein rasendes Herz wartet ungeduldig auf die Erlösung. Die Berührung löst die Spannung. Ich spüre die Tasten unter meinen Händen, ich höre die warmen Klänge und alles ist gut.

Ich lasse meine Finger tanzen, lasse die Tränen fließen und genieße das befreiende Gefühl. Wie neblige Träume entschweben die Akkorde der Klaviatur und erfüllen die Luft. Sie verschmelzen miteinander, bauen um mich herum eine andere Welt auf, eine samtweiche Welt, eine erbauliche Welt, eine wundervolle Welt.
 Der Tränenstrom versiegt allmählich. Ich lächele, blende alles aus, spiele immer intensiver, verliere mich in der anderen Welt. 

Da durchdringt ein scharfer Speer die sanfte Wolkenmauer meiner Welt und trifft mich mitten ins Herz. Es ist die erbarmungslose Frage, was ich da tue. Ein weiterer Speer folgt und durchbohrt meinen Kopf. Es ist die erbarmungslose Antwort auf die erbarmungslose Frage, was ich da tue:

Ich sitze in einem Raum an einem Instrument und bewege meine Finger. Mehr ist es nicht. Alles nur Illusion. Das wahre Leben zieht draußen an mir vorbei. Wenn ich den Raum verlasse, wird sich nichts geändert haben. Ich verstecke mich vor der Zeit, gebe mich dem Irrglauben hin, dass ich sie anhalten könnte, indem ich sie nutzlos verstreichen lasse, während ich mich mit meiner anderen Welt ablenke.

All die Wut, die ich nicht empfinden darf. All die Wünsche, die ich nicht hegen darf. All die Verzweiflung, die ich nicht zeigen darf. 
Das Wissen um meine Erbärmlichkeit zerreißt mich.

Montag, 11. Februar 2013

Deine Unschuld tröpfelt wie strahlend weiße Säure in meine sündenschwarze Seele und verätzt sie. Deine Augen sind so schön und rein, dass jeder Blick aus ihnen mich innerlich zerreißt. Die Perfektion, die du verkörperst, ohne es zu wissen, verursacht mir Schmerz und Sehnsucht.

Ich liebe dich, aber ich kann dich nicht ertragen. Du vereinst alles, wonach ich jemals strebte und was zu erreichen ich nie gut genug war. Ich bewundere dich, ich verehre dich, doch deine Gegenwart macht, dass ich sterben will. 

Vielleicht sterbe ich eines Tages wirklich für dich. Wie eine Fliege, die vom Licht angezogen wird und schließlich daran verbrennt.