Nackt und schutzlos sitzt es im Dreck, mit gekrümmtem Rücken, die Arme um die angewinkelten Beine geschlungen. Schon die Haltung ist zum Erbarmen; drückt tieferen Schmerz aus als das unablässige Schluchzen. Ja, es weint; zittert und weint: ein Häufchen Elend.
Ich möchte ihm helfen. Ich spreche zu ihm. Es reagiert nicht. Vermutlich hörte es mich nicht einmal. Zaghaft gehe ich neben ihm in die Knie, verharre erst still bei ihm und nehme schließlich seine Hand. Die Berührung scheint es aus seiner Trance zu erwecken. Es erwidert den Händedruck fest, wendet mir sein Gesicht zu und schaut mich ernst aus traurigen aber neugierigen Augen an.
Urplötzlich richtet es sich auf, ohne meine Hand loszulassen und ohne den Blick von mir zu lösen. Es macht ein paar langsame Schritte, zieht mich sanft mit sich, führt mich. Ich lasse mich führen, denn ich spüre, dass es mir etwas zeigen will.
Wir gehen in die Dunkelheit, immer tiefer in die Dunkelheit. Wir sind in der Finsternis, haben die schwärzeste Schwärze erreicht. Wir setzen uns nieder. Wir sind da. Hier ist es. Hier wohnt der Schmerz, den es empfindet. Hier kann ich verstehen, weshalb das Häufchen Elend ein Häufchen Elend ist. Hier werde ich selbst ein Häufchen Elend, weil das Elend hier so überwältigend ist.
Da steht das Häufchen Elend wieder auf, lächelt und nickt mir dankbar zu. Leichtfüßig läuft es fort und lässt mich in der Finsternis zurück. Ich kann ihm nur nachsehen, kann mich nicht bewegen, kann nur sitzen mit gekrümmten Rücken, die Arme um die angewinkelten Beine geschlungen.
Ich weiß, ich sollte froh sein, dass ich helfen konnte. Dennoch muss ich weinen. Ich will nicht für immer allein in der Dunkelheit bleiben.